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Trio AlmaRa 

Konzert

„Lebenslust

und Leidenschaft“

-- von Bettlern, Engeln,

Prinzen und Räubern

mit dem Trio

„AlmaRa“

Samstag, 15. 3. 08. 20 Uhr

Wenn Nina Schöne, Ernst Kaeshammer und Wolfgang Joho

zu den Instrumenten greifen, dann geht die Post ab.

Von lebenslustigen Männern und Frauen wird da erzählt,

sei es nun der Scherenschleifer, welcher sorglos in den Tag

hineinlebt, oder die schöne Lucretia, die sich in Abwesenheit

ihres Gatten amourösen Abenteuern nicht abgeneigt zeigt.

Dann wieder erklingen fetzige Instrumental mit ungarischen

oder spanischem Esprit, oder Melodien nach alten Weisen,

die mit ihren rasanten Taktwechsel bei den Zuhörern für ein

wohliges Schwindelgefühl sorgen.

Musik und Poesie ist das Motto des Trio AlmaRa.

Die Poesie stammt aus der Feder namhafter Schriftsteller

wie Michael Ende, Fritz Grasshoff, Carl Michael Bellmann,

Hans von Gumpenberg  oder Jean de la Fontaine.

Die Musik dazu hat sich das Trio zum Teil selber auf den Leib

geschrieben: Gesang und Gitarre, Geige und Perkussion,  Drehleier

und Cister, das sind Farben, mit denen die drei Musiker bunte

Lebensbilder malen. Zwischendurch auch leise Töne, so beim

Prinzen aus dem Morgenland, oder dem Engel, der uns beschützt.

Aber schon ändert sich die Stimmung wieder, wenn sich der

Zinnsoldat in das hübsche Porzellanfräulein verliebt oder die

Räuberbande mit Augenzwinkern ihr nicht alltägliches Handwerk

besingt.

 

Nina Schöne, Ernst Kaeshammer und Wolfgang Joho (von rechts nach links) konnten als Trio „AlmaRa“ in Vinningens Alter Kirche ohne Abstriche „Lebenslust und Leidenschaft“ vermitteln.

“AlmaRa”-Musik trifft die Seele

„Lebenslust und Leidenschaft“ strahlten nicht nur die Texte samt den zugehörigen Melodien und die dazwischengestreuten Tanzrhythmen aus, sondern vor allem auch die Vortragsweise des in der „Alten Kirche“ von Vinningen agierenden Trios. „AlmaRa“, eine Abkürzung aus den spanischen Wörtern „alma“ (Seele) und „cara“ (Gesicht), wurde seinem im Namen dokumentierten Anliegen, durch das musikalische Angebot der Seele ein Gesicht zu geben, voll und ganz gerecht.

Gesungen wurde im Verlauf des Abends, leider nur vor einer vierzigköpfigen Kulisse, von Bettlern, Engeln, Prinzen und Räubern und manch anderm, was zum prallen Leben gehört. In einer spannenden Kombination mit Instrumenten und Rhythmen breiteten die drei Musiker vor einem hochaufmerksamen, aber auch beifallsfreudigen Publikum Lustiges, Frivoles, Skurriles, aber auch Spirituelles, Berührendes, Tiefsinniges und manchmal auch Unsinniges aus. Gekoppelt mit einer durchweg engagierten Interpretation und einer humorigen Moderation, erzielte das interessante anderthalbstündige Menu von Anfang an die beabsichtigte Wirkung.

Nina Schöne, Gitarre, Gesang, Cister, in Verbindung mit Wolfgang Joho, Geige und Viola, sowie Ernst Kaeshammer, Drehleier, Gesang, Gitarre, konnten recht schnell unter Beweis stellen, dass ihre langjährige Erfahrung als Texter, Komponisten und Interpreten inzwischen Früchte trägt, die ihren Preis zweifellos wert sind. Wer zwischendurch die Augen schloss, konnte sich sicherlich gut vorstellen, auf einem mittelalterlichen Marktplatz oder im Festsaal eines Bergfriedes zu stehen, um dem Auftritt einer Gruppe von exzellenten Spielleuten zu lauschen.

Dabei war vom „Prinz aus dem Morgenland“ nach einem Text von Michael Ende ebenso zu hören wie von der Liebe zwischen Zinnsoldat und Porzellanpuppe oder einem Engel, der kommen wird, um zu trösten. Die Rede war auch von der „Macht des Schicksals“, speziell der Nähe zwischen Glück und Unglück, ebenso wie vom „Weingelag` und Freudenschmaus“. Von der „Räuberballade“ über eine Liebesgeschichte bis hin zum Sinnieren über Nähe und Ferne und schließlich der Vorausschau auf das Ende des Lebens – Stell dir vor, du hättest nicht getan, was das Herz gern getan hätte – viele existentiell bedeutsames Erleben und Fühlen fand seinen darstellerischen Niederschlag, der beim dankbaren Publikum auch die entsprechende Resonanz erzeuge.

Die souverän gespielte Geige von Wolfgang Joho war immer mit von der Partie, stand im Vordergrund vor allem bei den Tänzen aus verschiedenen Regionen Europas. Ernst Kaeshammers Drehleier, ein Instrument, das bereits seit über tausend Jahren gespielt wird, gab den meisten Liedern den besondern instrumentalen Hintergrund und passte natürlich ganz besonders beim „Lied vom Scherenschleifer“. Sängerisch agierte er immer wieder mit Nina Schöne, entweder gemeinsam oder im Wechsel, rundum sehr ansprechend. Gelegentlich eingesetzte Rhythmusinstrumente sorgten für eine optimale Ergänzung des abwechslungsreichen Klangangebots.

Die Akustik der Alten Kirche erwies sich wieder einmal so beschaffen, dass man auf eine elektronische Beschallung durchweg verzichten konnte. Instrumentenklang und Stimmen kamen als unverfälscht aus dem Chorraum. Die Sprache war trotz Instrumenten in der Regel gut zu verstehen, insbesonders die bestens artikulierende und lautstarke Stimme von Ernst Kaeshammer. Aber auch die etwas dezentere Frauenstimme konnte sich durchsetzen. Der Schlussbeifall demonstrierte noch einmal die deutliche Anerkennung der Zuhörer und führte zu zwei ebenfalls dankbar entgegengenommenen Zugaben, mit dabei ein abschließendes Abendlied.

Rheinpfalz 18. 3. 08

Pirmasenser Zeitung 20. 3. 08